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Dienstag, 08 Juni 2021 10:49

„Dienst nach Vorschrift“: Übernehmen Sie!

Veröffentlicht von:

Seit über 20 Jahren bin ich jetzt als Trainer und Coach unterwegs und seit weit über 12 Jahren in Unternehmen. Meistens geht es darum, menschengerechte Arbeitswelten zu schaffen, die Kultur dahingehend zu wandeln, dass Wertschätzung, Augenhöhe und Respekt vorherrschen. Natürlich geht es in dem Zusammenhang auch immer um Motivation und Führung. In der Zeit vor Corona hat die amerikanische Demoskopiefirma Gallup (die Erfinder der Meinungsforschung) alle zwei Jahre Studien zur Arbeitszufriedenheit durchgeführt. Die Ergebnisse davon haben ein verheerendes Bild der Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Organisationen gezeichnet. Die Zahlen waren (grob gerundet) die Folgenden:

  • weniger als 15% waren für ihren Job wirklich motiviert und zufrieden.
  • Etwa 80% waren in ihrem Job unzufrieden und demotiviert.
  • Davon etwa 2/3 waren leicht demotiviert und tun Dienst nach Vorschrift.
  • Etwa 1/3 davon sind stark unzufrieden und schwer demotiviert. Sie haben innerlich gekündigt und schaden (bewusst oder unbewusst) dem Unternehmen oder der Organisation.

Diese Zahlen sind seit weit über 10 Jahren stabil und verändern sich nur geringfügig.

Was hat das Ganze nun mit der Corona Situation zu tun? Dazu werden wir einen Blick auf die dahinter liegenden Persönlichkeitsstrukturen werfen und auf die Verteilung der „Seiten“ in der Corona Situation.

Menschen, die in ihrem Job Dienst nach Vorschrift tun haben ein paar wesentliche Merkmale:

Sie sind auf Sicherheit aus. Sie machen ihren Job nicht weil sie dafür Leidenschaft oder Begeisterung empfinden, sondern damit sie Geld verdienen, um sich im Leben Dinge kaufen zu können. Oft ist die Rede vom Erreichen oder Halten eines bestimmten Lebensstandards. Im Job wollen sie vor allem keine Fehler machen (Fehler gefährden aus ihrer Sich den Job), weshalb sie kaum Risiken eingehen, Entscheidungen meiden und genaue Anweisungen brauchen, um ihren Job zu machen, den sie dann nicht mal besonders gut ausführen. Sie interessieren sich selten für den Sinn von Entscheidungen, stellen wenig in Frage und achten genau auf Regeleinhaltung.

Wirklich für den Job Motivierte (wer seinen Geld wegen des Geldes macht ist definitiv nicht für den Job motiviert) haben Leidenschaft für das, was sie tun. Sie wollen was bewegen, gehen Risiken ein, haben Freude bei der Arbeit, was daran zu erkennen ist, dass sie häufig lachen. Sie stellen viele Fragen, hinterfragen Entscheidungen von oben kritisch und engagieren sich für ihre Sicht und Ideen.

Merkst Du was, lieber Leser? Kommt Dir das irgendwie bekannt vor?

Wer genau setzt z.B. in Unternehmen (vor allem in der Dienstleistung) so brav sämtliche Hygienemaßnahmen durch, von der Maske über die Test, bis zur Impfung?

Ein Praktisches Beispiel, an dem Du das erkennen kannst, sind Hotels. In der Zeit vor Corona haben immer mehr Hotels bemerkt, dass der einzig wirklich relevante Unterschied zwischen Hotels nicht die Einrichtung oder die Qualität des Essens sind, sondern das Verhalten der Mitarbeiter/innen. Du kommst z.B. an die Rezeption um einzuchecken. Da sind die Einen, die höflich sind. Ihr Lächeln ist nicht echt und sie leiern ihr auswendig gelerntes Sätzchen auf. Wenn Du als Gast eine Besonderheit willst, reagieren sie zurückhaltend bis negativ und wollen erst das OK des Vorgesetzten. Die wirklich motivierten sind nicht höflich, sondern freundlich. Ihr Lächeln ist echt, sie sind zugewandt und wollen wirklich, dass es dem Gast gut geht, weil sie es lieben, Menschen eine Freude zu bereiten. Sie gehen Risiken ein und treffen gerne Entscheidungen für das Wohl des Gastes. Dafür machen sie Dinge möglich und setzen auch mal etwas in Gang.

Wenn wir jetzt die beiden Typen in der Coronasituation vergleichen, können wir feststellen, dass es die einen gibt, die die Maßnahmen durchsetzen und bei „besonderen Wünschen“ des Gastes, wie z.B. die Maskenbefreiung unflexibel bis hilflos sind und ihr Handeln ist hauptsächlich darauf ausgerichtet für die Einhaltung der Maßnahmen zu sorgen. Auf der anderen Seite gibt es eben diejenigen, die weiter freundlich bis herzlich sind und auf die Wünsche des Gastes eingehen und eben nicht auf Teufel komm raus die Einhaltung der Maßnahmen fordern, sondern eher Verständnis haben und zeigen.

Dieses Muster zieht sich durch viele Bereiche der Dienstleistung, vom Einzelhandel über die Gastronomie, bis hin zu Callcentern von Telekommunikationsanbietern.

Ich behaupte einfach ganz frech: Wir sind die Motivierten. Wir sind diejenigen, die bereits vor Corona Leidenschaft für ihre Jobs hatten und wir sind diejenigen, die dieses Land im Grunde am laufen gehalten haben. Nicht umsonst sind unter den Maßnahmengegnern eine besonders hohe Zahl Selbstständiger, Unternehmer und Freiberufler.

Und jetzt beziehen wir die Forschungen von Georg Lind mit ein, der das Thema Demokratie und Persönlichkeit seit vielen Jahren untersucht (ich habe ihn hier schon an anderer Stelle aufgeführt) und der herausgefunden hat, dass 80% unserer Bevölkerung im Grunde nicht demokratiefähig ist. Auch wenn ich sein Konzept der „Moralkompetenz“ nicht teile, sehe ich in seinen Forschungen eine Bestätigung meiner Annahmen im Bereich Persönlichkeit, Motivation, Mut, etc. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Zahlen von Georg Lind anders interpretieren lassen und so in mein gezeichnetes Bild passen:

80% unserer Bevölkerung sind andere Werte wichtig im Leben. Sie wollen Sicherheit, Struktur, Ordnung, Zugehörigkeit (im Sinne von nicht auffallen), Status, Lebensstandard, etc. Die restlichen 20% wollen vor allem Autonomie, Authentizität, Selbstbestimmung, Verbindung Selbstverwirklichung, Sinn und vieles mehr, was in Bedürfnismodellen eher weiter oben steht, also auf eine fortgeschrittene Persönlichkeit schließen lässt. Und diese Aufteilung in 80% zu 20% könnte einigen bekannt vorkommen.

In der Wirtschaftswissenschaft hat sich ein Prinzip etabliert, das sich Pareto Prinzip nennt. Dieses Pareto Prinzip lässt sich auch problemlos auch auf andere Bereiche übertragen und findet sich u.a. im Zeitmanagement, Projektmanagement und vielen weiteren Bereichen des Lebens. Vereinfacht ausgedrückt heißt das Pareto Prinzip, dass Du mit 20% Deiner Energie 80% Deiner Leistung erbringst. 20% der Kunden machen 80% des Umsatzes. 20% der Zeit macht 80% der Aufgaben.

Auch unsere Situation mit der Motivation verläuft ähnlich wie das Pareto Prinzip. Die 15% der wirklich Motivierten hat schon seit langer Zeit 80% unseres Wohlstandes erarbeitet. Unser Wohlstand ist nicht das Produkt der Dienst nach Vorschrift Tuer, der Vorsichtigen, Ängstlichen, die keine Risiken eingehen und darauf achten, dass alles seine Ordnung hat. In einem Land mit einer Staatsquote von über 50% (das heißt 50% unserer Wirtschaftsleistung wird vom Staat erzeugt) und rund 6 Millionen Staatsbediensteten wird das sehr deutlich, denn genau diese Staatstätigkeit ist ja nicht wirklich produktiv (im Vergleich zur Privatwirtschaft). Und wer arbeitet gerne im Staatsdienst? Menschen, denen Sicherheit wichtig ist, Ordnung, Struktur, Status, Lebensstandard, etc. Eben keine Leistungsträger, sondern eher Profiteure der intrinsischen Motivation anderer.

Wir sind die Motivierten. Wir sind die, die den Laden am Laufen halten. Und jeder konnte und kann sich davon überzeugen, beim Blick in die Gesichter der Leute, die seit über einem Jahr für die Grundrechte auf die Straße gehen und die vor allem diesen Widerstand organisieren. Ich habe im letzten Jahr im Rahmen solcher Veranstaltungen diese Begeisterung und Leidenschaft in vielen Gesichtern des Widerstandes gesehen und sehe sie trotz um sich greifender Ermüdung immer noch.

Und jetzt haben die Dienst nach Vorschrift Macher dieses Land übernommen. Sie machen die Regeln und setzen sie durch. Sie wollen Sicherheit, Ordnung, Struktur, Status und Lebensstandard. Sie regieren das Land seit langer Zeit aber haben jetzt die Fangarme in Richtung freie Wirtschaft ausgestreckt und übernehmen auch dort Stück für Stück die Regie und das endet mit Corona lange nicht. Schon winken im Hintergrund die nächsten Themen, die jetzt durchgesetzt werden wollen, vom Klima über Gendersprache, bis hin zu unserem Wirtschaftssystem. Die zögerlichen und ängstlichen übernehmen die Regie und wollen die Mutigen, Motivierten und Begeisterten dazu zwingen so zu sein wie sie. Sie haben dabei schlicht vergessen, dass es nicht sie waren, die uns zu Wohlstand und Freiheit gebracht haben. Und in Entscheiderpositionen werfen sie dann mit vollen Händen das Geld aus dem Fenster, dass die Motivierten und Leidenschaftlichen erwirtschaftet haben.

Also lass sie doch einfach den Laden übernehmen und wir hören auf zu kämpfen. Wir überlassen ihnen die Scheiße kampflos und schauen entspannt zu, wie sie in ihrer Inkompetenz den Karren komplett vor die Wand fahren, während wir einfach parallel eine andere Gesellschaft errichten – wir sind ja schon dabei und der Prozess schreitet jeden Tag voran. Und wenn wir – die 15% Motivierten – etwas Neues bauen, dann wird es nahezu zwangsläufig erfolgreich und gut werden. Wir brauchen die restlichen 80% nicht, die aber dafür uns um so mehr und sie haben uns verloren. Wir werden uns für deren Idee vom Zusammenleben nicht mehr engagieren und darum kämpfen, dass wir in dem gesehen werden wie wir sind und was wir sind. Es reicht. Wir gehen einfach und machen einen neuen Laden auf und dies hier soll als Motivationshilfe dienen, dran zu bleiben und beharrlich weiter zu gehen. Die „andere Seite“ hat schon lange verloren. Sie weiß es nur noch nicht. Sie werden es bemerken, wenn sie sich irgendwann fragen, wo all die Leute hin sind, die die guten Ideen hatten.

Letzte Änderung am Dienstag, 08 Juni 2021 14:57
Publiziert in Gesellschaft

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