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Montag, 29 März 2021 14:36

Eine lernende Gemeinschaft

Veröffentlicht von:
Eine lernende Gemeinschaft (C) Pixabay Stine86Engel

Vor ca. einem halben Jahr hatte Reiner Füllmich im Zusammenhang eines Interviews sinngemäß gesagt, wir wären die am schnellsten lernende Bewegung, die es je gab und ich stimme ihm in diesem Punkt zu. Was haben wir im vergangenen Jahr alles gelernt. Zunächst haben wir alle Virologie, Immunologie und Epidemiologie studiert und mehr darüber gelernt, als ein Medizinstudent im ganzen Studium. Danach haben wir beim Thema Statistik mehr gelernt, als ein BWL Student in seinem Grundstudium. Etwa seit Herbst lernen wir alle Rechtswissenschaft und haben dabei ein tieferes Rechtsverständnis aufgebaut, als so mancher Richter, Staatsanwalt oder Rechtsanwalt.

Im folgenden will ich darauf eingehen, warum wir so schnell und erfolgreich lernen und was die nächsten Lernschritte sind und da ist auch die größte Überraschung.

Warum lernen wir so schnell und erfolgreich? Eigentlich müssten angesichts unserer Lernerfahrungen vielen Pädagogen und Anhängern der klassischen „Beschulung“ die Haare zu Berge stehen, mit Blick auf das, was da passiert. Wir alle waren und sind stark intrinsisch (von innen heraus) motiviert über unsere Themen zu lernen, weil wir darin einen Sinn sehen und weil es Bestandteil unseres Alltags ist, z.B. wenn wir mit anderen konfrontiert sind und Fachwissen gefragt ist. Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte „Lern mal was über Virologie“, hätte ich gefragt „Wozu diesen Kram lernen“. Heute kann ich was über Spike Proteine und Prävalenz erzählen. Wir betrachten es als echte Herausforderung nicht nur Fachwissen dazu zu lernen, sondern es vor allem im täglichen Umgang mit anderen anzuwenden. Wir waren dabei voll agil, das heißt wir sind nicht einem Plan gefolgt, sondern wir haben aus jeder Auseinandersetzung gelernt, was wir beim nächsten Mal brauchen. Und was ganz wichtig war: Wir konnten dabei selbstorganisiert lernen – es hat uns niemand irgendetwas vorgegeben. Dabei haben wir auf genau die Quellen zurück gegriffen, die für uns am besten waren. Ob das jetzt das Buch von Bhakdi war, oder Interviews mit Hockerts – jeder konnte mit den „Lehrern“ lernen, die ihm am besten „geschmeckt“ haben. So wurden wir alle zu erfolgreichen Studenten und heute zum Teil sogar zu Meistern. Zwischenzeitlich gibt es mehr und mehr Leute, die bei Verfahren vor dem Amtsgericht nicht mal einen Anwalt wollen, weil sie davon überzeugt sind, dass sie es in der ersten Instanz mittlerweile alleine hinbekommen. Und noch etwas ist dabei ganz wichtig: Wir agieren als Gemeinschaft. Wir unterstützen uns gegenseitig und lernen voneinander. Wir sind genau die Art von selbstorganisierter Lerngemeinschaft, die mein Namensvetter – der Hirnforscher – so gerne andeutet. Nach diesem einen Jahr könnte im Grunde jeder Träger von Erwachsenenbildung, der immer noch an das Konzept vom frontalbeschallten (Präsenz oder Online) Lernenden glaubt, der auf Vorrat für eine Prüfung lernt, nach Hause gehen. Lernerfolge in der Erwachsenenbildung (und auch in der Kinderbildung) sind gelinde gesagt ein schlechter Witz angesichts dessen, was wir gezeigt haben, was möglich ist, wenn die Motivation stimmt, das Ganze Sinn macht, eine Herausforderung ist, die im täglichen Leben auch eine Rolle spielt und wir uns dabei selbst organisieren. Wer braucht angesichts solcher geistiger Höchstleistungen noch irgendwelche Weiterbildungsabschlüsse? Die lächerlichen drei Sachen, die es da in Bullimielernmanier für die Prüfung zu pauken gibt, kann sich jeder in drei oder vier Wochen selbst beibringen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, die ich eben beschrieben habe. Wer z.B. in der Lage war, in Berlin zweimal eine Demo mit mehreren hunderttausend Teilnehmern zu organisieren, die noch dazu friedlich blieb und eine wundervolle Atmosphäre erzeugt hat – wer will dem noch was über Veranstaltungsmanagement erzählen? Wer die Logistik einer solchen Veranstaltung organisiert hat – was braucht der noch einen Abschluss als „Logistikmeister“, „-experte“ oder ähnliches?

Wir sind eine lebendige Lerngemeinschaft, wir arbeiten agiler, als es die meisten Agilitätsgurus in Unternehmen sich überhaupt nur vorstellen können (ohne dafür Lehrgänge besucht zu haben), wir sind vernetzt und voll digital, ohne dass dafür jemand erklären musste wie Digitalisierung und Vernetzung geht (wir haben es selbst herausgefunden und machen es einfach). Es gab keinen Lehrplan und keine Lehrer und vor allem keine Kommissionen, die endlose Papierberge produzieren. Und wir waren dabei vor allem eines: Wir waren und sind begeistert von dem was wir tun und wir tun es deshalb mit Leidenschaft. Wer in die Gesichter der Menschen auf Veranstaltungen geschaut hat, weiß was ich meine. Da war alles da, was Lernprozesse brauchen: Freude, Gemeinschaft, Verbindung und Begeisterung, die bekanntlich der „Dünger fürs Hirn“ ist (Gerald Hüther).

Jetzt allerdings liegt ein neuer Abschnitt in unserem Lernprozess vor uns. Ich bin davon überzeugt, dass wir auch diesen Schritt meistern werden, obgleich er um einiges schwieriger wird, denn ab jetzt geht es ans Eingemachte. Wer erwartet, dass jetzt noch irgendetwas fachliches oder inhaltliches kommt? Vielleicht ein neues Themengebiet, das bisher noch nicht besprochen wurde? Management? Politikwissenschaft? Biologie, Chemie, Physik, Geschichtswissenschaft? Mit Sicherheit nicht. Es ist schlicht und einfach alles gesagt. Es möge jeder, der will, sich mit inhaltlichen Fragen auf anderen Gebieten beschäftigt, wenn dies bei den entsprechenden Begeisterung und Leidenschaft auslöst, aber ist das noch eine kollektive Aufgabe? Aus meiner Sicht nicht. Es ist einfach alles gesagt und wer es bis hier hin nicht weiß, will es nicht wissen oder es stehen ihm andere – nicht inhaltliche – Barrieren im Weg.

Die Pädagogik unterscheidet drei Kompetenzfelder: Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz. Fach- und Methodenkompetenz sind abgedeckt durch das, was ich gerade beschrieben habe. Es bleibt der Bereich der Sozialkompetenz, der noch nicht gesehen, geschweige denn bearbeitet wird (oder zumindest nur in kleinen Teilen, von noch wenigen Leuten). Hier liegen die wichtigen Aufgaben vor uns, denn noch immer handeln die meisten in unserer Bewegung aus einem ziemlichen Mangel in diesem Bereich. Hier bestätigt sich, was bei der Arbeit in Unternehmen (vor allem mit Führungskräften) über die letzten Jahre immer deutlicher zum Vorschein kam: Der offensichtliche Mangel an entsprechenden Sozialkompetenzen. Immer noch reagieren in unserer Bewegung die Menschen aggressiv, wütend, verächtlich, etc. auf andere, die die Dinge in dieser Krise anders sehen. Immer noch hören die Menschen auf unserer Seite so wenig zu, wie die auf der Gegenseite. Immer noch wird auf die andere Seite eingeredet, diese werden mit hunderten Argumenten förmlich totgeschlagen und vor allem gibt es die Vielen, die von einer Panik in die nächste springen, wenn sie jede Meldung über vermeintliche oder mögliche Verschwörungen sofort kritiklos schlucken und verbreiten, ohne zu bemerken, dass sie sich selbst damit sicher keinen gefallen tun und sie vor allem leicht in eine Ecke zu stellen sind. Auch auf unserer Seite regiert immer noch massiv die Angst und genau hier setzt jetzt der wesentliche neue Lernprozess an, den wir auch wieder als Lerngemeinschaft vollziehen. Es geht ab jetzt um Kommunikation und die ist viel mehr eine Frage der inneren Haltung, als der richtigen Worte oder einer entsprechenden Technik. Es geht auch genau um diese innere Haltung, denn diese Haltung ist es, die immer noch für Wut, Aggression, Ärger, Verachtung und ähnliches verantwortlich ist. Es geht um nicht weniger als um die eigene Persönlichkeit. Bin ich wirklich selbst der Typ, den ich als Plakat seit einem Jahr vor mir her trage? Frieden, Freiheit, Liebe, Wahrheit schallt es von den Demonstrationen. Tragen wir den Frieden wirklich im Herzen, oder regiert immer noch Hass und Verachtung gegenüber anderen, wenn die so ganz anders sind als ich? Bin ich wirklich frei, wenn ich immer noch konditionierten Mustern folge und nicht mal ein Bewusstsein dafür habe, dass ich überhaupt solche Muster habe? Lebe ich Liebe, wenn ich mir wünsche, dass Angela Merkel und Jens Spahn für immer in den Knast wandern? Gilt die Liebe zum Nächsten oder sogar zu seinem Feind, wie es große Religionen vermitteln nicht, wenn dieser mit einer Maske rumläuft und an ein gefährliches Virus glaubt? Und sind wir selbst wahrhaftig, wenn wir uns unsere eigene Hilflosigkeit, Ohnmacht, Trauer, Angst nicht eingestehen wollen? Wir sehen – das sind die Aufgaben, die wirklich vor uns liegen. Vor allem das Thema Kommunikation, Empathie, Konflikte lösen wird für uns zunehmend wichtiger, nicht für den Umgang mit der „anderen Seite“, sondern für uns selbst. 1 Jahr Wahnsinn zehrt auch an unseren Kräften und zermürbt uns. Daraus entstehen Konflikte, weil die Nerven zum Teil blank liegen. Etliche Initiativen haben sich zerlegt, weil sie ihre Konflikte nicht lösen konnten – Widerstand 2020 ist nur das prominenteste Beispiel. Darum ist es gerade für uns, als Bewegung für die Grundrechte, extrem wichtig zu lernen, Konflikte anders zu lösen, als wir es gewohnt sind. Wir können es uns nicht erlauben, aus der Unfähigkeit solche Konflikte zu lösen, ganze Initiativen vor die Wand zu fahren. Und dazu gehört die Bereitschaft auf sich zu schauen und bei sich anzufangen und nicht auf andere zu zeigen und zu meinen „wenn alle so wären wie ich, wäre alles in Ordnung“. Wer glaubt er könne auf einzelne Aktive verzichten, weil er nicht mit ihnen klar kommt, hat ein Luxusproblem und so einiges noch nicht verstanden. Es geht um unser aller Leben.

Auf meiner Visitenkarte steht der Spruch „Wenn Du etwas haben willst, das Du noch nie hattest, musst Du etwas tun, was Du noch nie getan hast. So lange Du immer nur tust, was Du kennst, bekommst Du immer nur das, was Du kennst“.

 

 

Letzte Änderung am Montag, 29 März 2021 18:21
Publiziert in Gesellschaft

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